Berlin
Das Land Berlin versteht Entwicklungspolitik als wichtigen Bestandteil einer gleichberechtigten internationalen Politik, die den UN-Nachhaltigkeitszielen verpflichtet ist. Damit vollzog Berlin bereits vor Jahren den Paradigmenwechsel weg von der Entwicklungshilfe im Globalen Süden hin zu einer partnerschaftlich definierten nachhaltigen Entwicklung. Die Inlandsarbeit mit Berliner Akteurinnen und Akteuren der entwicklungspolitischen und migrantisch-diasporischen Zivilgesellschaft nimmt dabei eine herausragende Rolle ein. Berliner Entwicklungspolitik versteht sich als eine Querschnittsaufgabe und ist in vielen Politikfeldern Berlins verankert. Um diesem umfassenden Anspruch gerecht zu werden, ist in Berlin durch die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit eine zentrale Koordinierungsstelle für Entwicklungspolitik tätig, die eng mit den anderen Ressorts verbunden ist.
Unsere Leitlinien
Die entwicklungspolitischen Leitlinien des Berliner Senats bilden den strategischen Rahmen für Aktivitäten der Berliner Entwicklungszusammenarbeit. Sie wurden 2026 neu formuliert und verabschiedet. Das Land Berlin bekennt sich damit zu seiner globalen Verantwortung für nachhaltige Entwicklung, globaler Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte. Die entwicklungspolitischen Leitlinien sind von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit in der für Wirtschaft zuständigen Senatsverwaltung, in Konsultation mit dem Berliner Beirat Entwicklungszusammenarbeit, der Senatskanzlei, den für Bildung, Wissenschaft, Umwelt, Stadtentwicklung sowie Integration und Antidiskriminierung zuständigen Senatsverwaltungen und allen Bezirken, dem Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag e.V. sowie Organisationen der internationalen, entwicklungspolitischen und interkulturellen Zusammenarbeit erarbeitet worden.
Beirat Entwicklungszusammenarbeit
Der Beirat Entwicklungszusammenarbeit ist das zentrale Beratungsgremium für die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung der Berliner Entwicklungspolitik unter der Leitung des für Wirtschaft zuständigen Staatssekretärs. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter aus allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen an. Basierend auf den vielfältigen Kompetenzen seiner Mitglieder ist es die Aufgabe des Beirates, die Berliner Landesregierung in allen entwicklungspolitisch relevanten Themen auf Landes- und Bundesebene zu beraten und dabei auch selbst gestaltend tätig zu werden.
Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen
Berlin zeichnet sich durch ein großes zivilgesellschaftliches Engagement aus - weit über 100 große und kleine entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen sind in der Stadt aktiv. Im Landesnetzwerk der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags e.V. wird kontinuierlich an neuen Themenfeldern gearbeitet, die auf aktuelle Herausforderungen und Potenziale der Entwicklungszusammenarbeit eingehen, bspw. auch in Bezug auf Berliner Partnerstädte im Globalen Süden. Insbesondere für Schulen wird von KATE e.V. zusätzlich das Berliner entwicklungspolitische Bildungsprogramm (benbi) durchgeführt, das jährlich neue Schwerpunkte in der Auseinandersetzung mit Fragen globaler Nachhaltigkeit entwickelt.
Die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit unterstützt eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Bildungs-, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sowie bei Auslandsprojekten im Rahmen von Schul- und Städtepartnerschaften durch Zuwendungen: Über das Berliner Förderprogramm für die entwicklungspolitische Informations-, Kampagnen- und Bildungsarbeit kann die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit sowohl die entwicklungspolitische Bildungsarbeit mitgestalten als auch ein breites Angebot an zivilgesellschaftlichem Engagement unterstützen.
Berlin Global Village
Um die Arbeit von entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen zu fördern und mehr Bürgerinnen und Bürger für ein Engagement in entwicklungspolitischen Bereichen zu interessieren, wurde das Eine-Welt-Zentrum Berlin Global Village geschaffen. Mehr als 50 entwicklungspolitische und migrantisch-diasporische Nichtregierungsorganisationen haben dort ihren Arbeitsplatz gefunden. 2021 wurde das Zentrum fertiggestellt und bietet Büro- und Veranstaltungsräume.
Institutionelle Förderungen: Bildung und internationale Kooperationen
Ein besonderer Schwerpunkt ist die Förderung des Globalen Lernens. Das EPIZ – Zentrum für Globales Lernen ist die zentrale Berliner Anlaufstelle für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und andere, wenn es um Fragen zu Globaler Gerechtigkeit, Menschenrechten und Zukunftsfähigkeit unserer Welt geht.
Die Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit mbH BGZ unterstützt internationale Projektakquise und -umsetzung mit Berliner Akteurinnen und Akteuren und fokussiert sich seit 2024 stärker auf entwicklungspolitische Vorhaben. Die Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit war in den Jahren 2012-2026 an verschiedenen EU-Projekten u. a. zu guter Regierungsführung, nachhaltiger Stadtentwicklung, Stärkung des Fairen Handels und des Globalen Lernens beteiligt.
Land Berlin und seine Bezirke
Berlin pflegt als Stadtstaat eine enge Zusammenarbeit mit den Bezirken. Viele Bezirke haben eigene entwicklungspolitische Koordinatorinnen und Koordinatoren, so dass ein regelmäßiger Informationsaustausch und gemeinsame Aktionen von Land und Bezirken das entwicklungspolitische Engagement in der Stadt verankern und sichtbar machen. Seit 2020 fördert die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit über den Bezirksfonds Entwicklungszusammenarbeit Projekte und Aktionen, die von einem Bezirk initiiert werden, aber für ganz Berlin spannend und attraktiv sind. Zudem werden Berliner Bezirke unterstützt, die Aktivitäten in ihrem Bezirk neu anstoßen wollen.
Kooperationen mit weiteren Einrichtungen und Bundesprogrammen
Gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert Berlin das Seminar für ländliche Entwicklung an der Humboldt-Universität zu Berlin, das im Rahmen seiner Lehre entwicklungspolitische Nachwuchskräfte auf interdisziplinäre Weise ausbildet und Forschung zu aktuellen globalen Fragestellungen in internationalen Projekten durchführt.
Zudem sind deutsche Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Engagement Global gGmbH wichtige Kooperationspartner. Eine enge Zusammenarbeit findet zudem mit dem ASA-Programm und dem Alumni-Programm der Technischen Universität Berlin statt.
Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde von den Ländern das Promotor*innen-Programm ins Leben gerufen. Die Eine Welt-Promotorinnen und -Promotoren arbeiten in entwicklungspolitischen Organisationen und Initiativen. Sie geben als Expertinnen und Experten Anstöße für global verantwortliches Denken und Handeln und mobilisieren für ein Engagement zu Themen der nachhaltigen Entwicklung. Das Berliner Promotor*innen-Programm wird vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag koordiniert und von der Stiftung Nord-Süd-Brücken verwaltet. In Berlin arbeiten zurzeit acht Promotorinnen und Promotoren zu den Themen Globale Solidarität, Dekolonisierung und Antirassismus, Faires und zukunftsfähiges Wirtschaften, Urbane Transformation aus entwicklungspolitischer Perspektive, Klima- und Ressourcengerechtigkeit, Globales Lernen, Migration und Entwicklung sowie Förderung des entwicklungspolitschen Engagements.
Weitere entwicklungspolitische Vorhaben zu einzelnen politischen Themenfeldern:
Fairer Handel und faire Beschaffung
Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld der Berliner Entwicklungspolitik sind der Faire Handel und die Faire Beschaffung. Seit 2018 wurde Berlin als Fairtrade-Town ausgezeichnet – für 2026 strebt das Land Berlin eine erneute Wiederauszeichnung an. Für eine weitere Stärkung des Fairen Handels hat sich mit Unterstützung der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit das Aktionsbündnis Fairer HandelBerlin im Jahr 2019 gegründet. Das Bündnis vernetzt und koordiniert die zahlreichen Akteurinnen und Akteure im Fairen Handel. Die Kompetenzstelle faire Beschaffung nahm im Jahr 2020 ihre Arbeit auf. Sie informiert und schult die Berliner Vergabestellen rund um die Möglichkeiten, soziale Standards in öffentliche Beschaffungsvorhaben zu integrieren.
Dekolonisierung
Die Aufarbeitung der Berliner Kolonialgeschichte ist Berlin ein besonderes Anliegen. Daher fördert die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit die Koordinierungsstelle Decolonize Berlin. Diese begleitet einen gesamtstädtischen Aufarbeitungsprozess mit Akteurinnen und Akteuren aus der Verwaltung und der Zivilgesellschaft und unterstützt die Entwicklung eines Aufarbeitungs- und Erinnerungskonzepts zur kolonialen Vergangenheit Berlins.
Unterstützung der Pressefreiheit
Weltweit werden Journalistinnen und Journalisten bedroht und an ihrer Arbeit gehindert. Dabei ist die Pressefreiheit eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie. Das Stipendienprogramm, das die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen entwickelt hat, stärkt und stützt Digital-Journalistinnen und -Journalisten, in dem sie für ein viermonatiges Auszeit-Stipendium nach Berlin eingeladen werden. In Berlin erhalten sie Trainings und Fortbildungen zum Thema digitale Sicherheit, können sich mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt vernetzen und in einer sicheren Umgebung Kraft für ihre weitere Arbeit tanken.
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Leiterin Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit
Martin-Luther-Straße 105
10825 Berlin
Tel.: 030 9013-7409
Web: https://www.berlin.de/sen/wirtschaft/europa-und-internationales/landesstelle-fuer-entwicklungszusammenarbeit/entwicklungspolitik/artikel.95826.php
stefani.reich[at]senweb.berlin.de