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Bund und Länder: Nachhaltigkeit kann nur gemeinsam gelingen

"Wir sind unterwegs, aber wir sind lange noch nicht angekommen", sagte Staatssekretär Jäger auf der regionalen Nachhaltigkeitskonferenz in Bonn. "Die Bundesregierung ist sehr engagiert, doch bedarf es in den Ländern viele Partner, die diese Ziele mittragen." Nachhaltigkeit müsse als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden.

"Wir müssen die SDGs besser in die Bevölkerung tragen", forderte der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martin Jäger. "Ich spreche lieber von Nachhaltigkeitszielen, weil viele Menschen die Abkürzung der Sustainable Development Goals gar nicht kennen." Hier müssten alle Akteure ihre Anstrengungen verstärken, die Nachhaltigkeit mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

[In Bonn waren zur vierten Regionalkonferenz rund 250 ehren- und hauptamtliche Akteure aus dem Bereich der Nachhaltigkeit zusammengekommen, um einen Beitrag zur Fortschreibung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu leisten.]

Nachhaltigkeitsziele müssen händelbar bleiben

Das Bundesentwicklungsministerium, so Jäger, sei ja qua Amtes weltweit den Nachhaltigkeitszielen verpflichtet und unterstütze viele Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Der Staatssekretär hob hier das Projekt "Grüner Knopf" hervor, mit dem sich das Ministerium für fairen Handel und nachhaltige Lieferketten in der Textilindustrie global stark mache.

"Die SDGs sind der Plan zur Rettung der Welt – sie müssen aber händelbar bleiben", sagte Jäger. Das politische Handeln müsse dabei ein besonderes Augenmerk auf die Finanzierung und die Prozessorganisation legen. Auch hier sei elementar, alle Akteure zu vereinen.

Nicht ohne Stolz berichtete er, dass das Entwicklungshilfeministerium sich dem ehrgeizigen Ziel "Klimaneutralität" gestellt habe und es Ende 2019 als erstes Bundesministerium auch erreicht habe. "Wir sind hier ein Vorreiter innerhalb der Bundesregierung", so Jäger. "Wir geben unser Wissen hier gerne auch an andere weiter."

[Die Bundesregierung schreibt die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) fort. Nach Ende der Regionalkonferenzen werten nun die Bundesministerien und das Kanzleramt die gesammelten Beiträge aus. Die Fortschreibung der DNS soll Ende 2020 vorgestellt werden.]

Braunkohlerevier soll Nachhaltigkeitsregion werden

"In Bonn hat man die Nachhaltigkeit direkt vor Augen", betonte Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen (NRW). Der Rhein ist in den vergangenen Jahrzenten zunehmend sauberer geworden. In Bonn haben sich aber auch 20 UN-Organisationen angesiedelt, darunter das UN-Klimasekretariat. "Bonn hat in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle und ich erhoffe mir auf der heutigen Konferenz einen wichtigen Debattenbeitrag zur Fortschreibung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie", betonte Heinen-Esser.

Die Klimaveränderungen zeigen deutliche Auswirkungen auf die Wald- Landwirtschaft in NRW, sagte die Umweltministerin. Doch in anderen Regionen dieser Erde seien die Auswirkungen noch um ein Vielfaches schlimmer. Klimawandel als Fluchtursache, der Rückgang der Artenvielfalt - die Nachhaltigkeit müsse ein Gemeinschaftswerk aller Politikbereiche werden. Sie forderte, die Maßnahmen auf allen Ebenen - von den Kommunen bis zu internationalen Organisationen - aufeinander abzustimmen.

Als ein positives Beispiel nannte Heinen-Esser die Rekultivierung der Emscher. "Früher war die Emscher der zentrale Abwasserkanal des Ruhrgebiets", so die Ministerin. Vor 30 Jahren wurde das Generationenprojekt "Umbau Emscher" ins Leben gerufen. Noch nicht vollständig abgeschlossen, könne man sich aber in vielen Bereich davon überzeugen, wie sauber der Fluss geworden ist.

Mit dem Kohleausstieg werde NRW in den kommenden Jahren einen großen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten, sagte Heinen-Esser.  "Das wird kein Spaziergang." Dennoch könne der Kohleausstieg aber eine Chance sein. Geplant sei, das Rheinische Braunkohlerevier durch innovative Projekte zu einer Nachhaltigkeitsregion umzubauen.

"Strategien allein reichen nicht"

Die Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde. "Hatte sie in der Vergangenheit ein Nischendasein, so ist sei heute ins Zentrum gerutscht", sagte Ashok-Alexander Sridharan. Die Stadt, so der Bonner Oberbürgermeister, orientiere ihr Handeln an den Nachhaltigkeitszielen und habe dazu im vergangenen Jahr auch eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. "Doch Strategien allein reichen nicht", so Sridharan. Die Anstrengungen müssten verstärkt werden.

Die Bundesstadt hatte im vergangenen Jahr den Klimanotstand erklärt und einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vorgelegt. So wolle Bonn beispielsweise den Ausbau der Photovoltaik intensiveren und im Verkehrssektor das Radfahren durch den Ausbau von Radschnellwegen und Mobilstationen fördern. Kleine Schritte, denen weitere folgen werden, betonte der Oberbürgermeister. Ziel sei es, dass Bonn bis 2035 klimaneutral werde.

Auch global setze sich Bonn für Nachhaltigkeit ein, sagte Sridharan. Die Stadt habe sich vielen Netzwerken angeschlossen und unterstütze beispielsweise andere Städte in Schwellenländern bei der Erreichung der internationalen Nachhaltigkeitsziele.

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